Zukunft der Prüfung in Handwerk und Industrie? Möglichkeiten, Trends, Hürden

Ergebnisse des Expertentalks bei Christiani

Rund 20 Experten von wissenschaftlichen Instituten, Unternehmen, IHKs, HWKs und Verbänden haben im Rahmen eines Thinktanks die Zukunft der schriftlichen Prüfung der beruflichen Bildung diskutiert.
In den Expertentalk haben sich insbesondere folgende Personen eingebracht:

  • Christian Hollmann, Bundesinstitut für Berufsbildung
  • Anja Schwarz, Deutscher Industrie- und Handelskammertag, e.V.
  • Thomas Reiter, Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB)
  • Daniel Winkler, Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
  • Dietmar Berndt, Landesverband Metall Niedersachsen / Bremen
  • Viktor Esau, Leiter Ausbildung, Claas KGaA mbH
  • Ingo Fischer, Unternehmer, Rolf Fischer GmbH
  • Carsten Taudt, IHK Nord Westfalen
  • Klaus Bourdick, IHK Arnsberg
  • Bernd Wienecke, IHK Arnsberg

Dabei wurden vor allem folgende Punkte deutlich:

Korrektur- und Organisationsaufwand sind große Herausforderungen bei der bisherigen, analogen HWK- bzw. IHK- Prüfung

Zahlreiche ehrenamtliche Prüfer müssen aktuell allein für die Korrektur der schriftlichen Prüfung gewonnen, organisiert und bezahlt werden, um die vielen Freitextaufgaben zu korrigieren. Oftmals eine kaum leserliche Schrift sowie große Ermessensspielräume der Prüfer wie Antworten von Freitextfragen konkret zu bewerten sind, stellen weitere Herausforderungen dar.

Mehr Prüfungsgerechtigkeit und Auswertung in Echtzeit sind Vorteile der schriftlich digitalen Prüfung

Es gibt verschiedene Prüfungsaufgabentypen wie Single-Choice-, Multiple-Choice-, K-Prim-, Zuordnungs- oder Lückentextfragen, die bereits heute in digitalen Plattformen in Echtzeit ausgewertet werden können – ohne die kostbare Zeit der ehrenamtlichen Prüfer für die Korrektur zu beanspruchen. Allerdings werden die Prüfer dabei mehr im Vorfeld der Aufgabenerstellung für Fragen des Schwierigkeitsgrades einer Aufgabe, Punktesystem u.ä. benötigt. Dennoch wird unter Strich der Einsatz von ehrenamtlichen Prüfern bei schriftlichen digitalen Prüfungen zu mehr Effizienz führen.

Offenheit für digitale Prüfungen nimmt zu

Während vor einigen Jahren die Bedenken gegen die Einführung von digitalen Prüfungen noch ausgeprägt war, ist nun ein positiver Trend festzustellen: Die wichtigsten Beteiligten zeigen sich offen für die Einführung im Bereich der schriftlichen Prüfung. Derweil sind neue Prüfungsformen im Bereich der praktischen Prüfung, beispielsweise mit Augmented Reality in den nächsten Jahren noch nicht zu erwarten.

Zahlreiche Hürden müssen noch bewältigt werden

Seien es definitorische, technologische oder organisatorische Fragen, in all diesen Bereichen besteht noch Klärungsbedarf, um die IHK- und HWK-Prüfung flächendeckend digital gestalten zu können. Zugleich sind es allesamt Hürden, die überwunden werden können. So wird beispielsweise die Frage des Rechts aus Sicht der Experten lösbar sein, wenn ein überzeugendes Modell vorgelegt wird.

Pilotprojekte sind zielführend, aber Digitalisierung darf nicht zum Selbstzweck werden

Eine digitale Prüfung in ganz Deutschland für alle technischen Berufe ist kein realistisches Szenario, schrittweise Pilotprojekte mit unterschiedlicher Ausgestaltung dagegen schon. Dabei sollte insbesondere den jeweiligen Berufen und Gewerken mit passenden Aufgaben- und Medientypen Rechnung getragen werden. Und bei alledem: immer mit dem Blick der Qualitätssicherung und des didaktischen Mehrwerts vorangehen. Eine Digitalisierung um ihrer selbst willen haben alle Experten abgelehnt.

Information und Transparenz fördern

Nicht zuletzt sollte die Information und Transparenz gegenüber allen wichtigen Stakeholdern verbessert werden. Vielen wichtigen Beteiligten sind die Chancen und Möglichkeiten von digitalen Prüfungen nicht bewusst. Vorteile, Gefahren und Herausforderungen müssen sichtbar gemacht werden.