Podiumsdiskussion bei Christiani in Landsberg

Das Unternehmen Christiani hat eingeladen: Zum ersten Examination Hub kamen rund 40 Fachleute aus Industrie, Handwerk sowie von Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Berufsschulen in das Christiani Kompetenzzentrum nach Landsberg am Lech.                                 

„Ein Hub ist ein Knotenpunkt, wo Impulse ein- und ausgehen“, erklärte Oliver Heckemann, Mitglied der Geschäftsleitung von Christiani. Das neue Veranstaltungsformat Examination Hub wolle Fachleute zusammenbringen mit dem Ziel, die Zukunft der Prüfung zu diskutieren und voranzubringen.

Um das Thema aus verschiedenen Blickrichtungen zu beleuchten, hat Christiani fünf Fachleute aufs Podium gebeten. Es diskutierten:

  • Thomas Meyer, Leiter der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) der IHK Stuttgart
  • Hanns Deniffel, Leiter der Berufsschule 1 in Kempten
  • Alex Schaurer, Leiter des Referats Digitalisierung, Organisation und Prozesse der IHK für München und Oberbayern
  • Steffi Michailowa, HR-Spezialistin – Lernen & Bildungsportfolio der ABB Training Center GmbH & Co. KG in Heidelberg
  • Helmut Fromm, geschäftsführender Gesellschafter der -Ing. Paul Christiani GmbH & Co. KG

 Unter der Moderation von Oliver Heckemann ergab sich eine engagierte und tiefgreifende Diskussion mit den Podiumsteilnehmern und dem Publikum. Schnell zeichnete sich ab, dass bei allen Entwicklungen in Richtung digitale Prüfungen Augenmaß gefordert ist. Das Prüfungsmedium sei kein Selbstzweck, vielmehr gehe es immer darum, in einer Prüfung Kompetenz festzustellen und die berufliche Handlungsfähigkeit der Auszubildenden zu evaluieren. Das müsse bei allen Überlegungen und Entwicklungen im Vordergrund stehen.

Wo bringt die Digitalisierung der Prüfung Vorteile?

Ein zentraler Pluspunkt der digitalen Prüfung ist ein ökonomischer: die Auswertbarkeit der Ergebnisse. Das Resultat steht bei bestimmten Aufgabentypen bereits fest, wenn der Prüfling seine Aufgaben beantwortet und abgegeben hat. Inwieweit auch Freitextaufgaben auswertbar und sinnvoll sind, war ein Punkt, der ausgiebig diskutiert wurde.

Der Wunsch nach Flexibilisierung stößt auf Rechtsvorschriften

Einiges im Bereich der Prüfungen sei heute schon digital, betonte Thomas Meyer, seit dem 1.09.21 neuer Leiter der PAL. Aber wie weit will man bei der Digitalisierung gehen? In einem ersten Schritt will Meyer das Thema in 2021/2022 mit der digitalen Kompetenzfeststellung bei Teilqualifikationen angehen. In den nächsten Jahren soll eine digitale „Testprüfung“ für einen ausgewählten technischen Ausbildungsberuf folgen. Verschiedene Hürden müssen auf dem Weg zu einer digitalen Abschlussprüfung für Industrieberufe noch überwunden werden. Dazu gehört u.a. der entsprechende Rechtsrahmen.

 Bieten digitale Aufgaben didaktischen Mehrwert?

„Wenn Prüfung digitalisiert wird, muss sie didaktisch mindestens so gut sein wie analog, eigentlich besser,“ machte Helmut Fromm deutlich, der sich seit 50 Jahren mit technischen Prüfungsaufgaben beschäftigt. „Die neuen Möglichkeiten mit Medien und deren gezielter Einsatz werden dabei eine entscheidende Rolle spielen“, erläuterte er weiter.

So kann man mit Audio, Video und Animationen Prüfungsaufgaben anschaulicher und näher an der technischen Praxis gestalten. Da schienen sich alle Experten auf dem Podium einig zu sein. „Augmented und Virtual Reality können eine denkbare Ergänzung für die praktische Prüfung sein“, so Fromm. Die Trennung von Theorie und Praxis würde dadurch weiter verschwimmen.

Fazit: Der Mensch im Mittelpunkt der Prüfung

Die einhellige Meinung bei der Veranstaltung war: An der digitalen Prüfung führt kein Weg vorbei. „Deshalb hat die IHK für München und Oberbayern bereits im Herbst 2020 mit der digitalen Prüfungsplattform von Christiani, EXPLA, einen Test beim Ausbildungsberuf Mechatroniker durchgeführt“, erläutert Alex Schaurer, der auf eine langjährige Erfahrung in der Organisation von technischen Prüfungen zurückblicken kann. „Dieser ist sehr positiv verlaufen, das System funktioniert, die Prüfungsaufgaben müssen allerdings noch mehr auf die neue digitale Welt angepasst werden. Interessant ist dabei für eine IHK insbesondere auch die Reduktion des Aufwands bei den Prüfern“, erläutert der Experte.

Wie weit die digitale Transformation der Prüfung gehen wird, ist noch offen. Einig ist man sich, dass der Mensch auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen muss. Die Wirtschaft braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Und Künstliche Intelligenz kann das Know-how der Ausbilder und Prüfer nicht ersetzen.

Der Examination Hub hat sich als Forum bewährt, in dem Fragen rund um die Zukunft der Prüfungen gestellt und diskutiert werden können. Er bietet den Raum, in den Impulse eingehen, die dann in andere Gremien weitergetragen werden. Die nächsten Examination Hubs sind für das Jahr 2022 bereits in Planung.

 Weitere Infos zum Prüfungsmanagement

Die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion zur Prüfung der Zukunft (v.l.n.r.)

Thomas Meyer, Leiter der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) der IHK Region Stuttgart, Hanns Deniffel, Leiter der Berufsschule 1 in Kempten, Steffi Michailowa, HR-Spezialistin – Lernen & Bildungsportfolio der ABB Training Center GmbH & Co. KG in Heidelberg (Video-Chat zugeschaltet), Oliver Heckemann (Moderation), Mitglied der Geschäftsleitung von Christiani, Alex Schaurer, Leiter des Referats Digitalisierung, Organisation und Prozesse der IHK für München und Oberbayern und Helmut Fromm, geschäftsführender Gesellschafter der Dr.-Ing. Paul Christiani GmbH & Co. KG.